Annuaire boutique
Librairie Lis-Voir
PriceMinister
Amazon
Fnac

 
     




 

 

 

 




Mit dem Tonfilm verlor diese Methode natürlich ihre Gültigkeit. Von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen benötigte man keine Zwischentitel mehr, um dem Publikum etwas zu erklären. Damit stand nicht weniger als die Internationalität des Films in Frage. Bei keinem Tonfilm der Welt konnte man davon ausgehen, dass die darin verwendete Sprache überall verstanden wurde. Um diesem babylonischen Problem Herr zu werden, gab es drei Methoden, von denen heute nur zwei zentrale Bedeutung haben. Entweder drehte man einen Film gleich von vornherein in mehreren gängigen Sprachen, was sehr kostenintensiv war und nach einem gewissen Boom schon in den frühen 1930er-Jahren wieder aufgegeben wurde. Die beiden anderen Möglichkeiten bestanden darin, dass man entweder untertitelte oder aber den Film nachsynchronisierte.

Der Streit, ob man die Sprache unter künstlerischen Gesichtspunkten nachsynchronisieren dürfe, war von vornherein vorprogrammiert und spaltet bis heute die Filmfreunde. Viele sagen, man dürfe den Schauspielern der Originalfilme nicht ihre Stimme rauben. Das Untertiteln von Filmen ist aber selbstverständlich ebenfalls problematisch. Mag eine Stimme noch so schön sein, ein Dialog wird dem Zuschauer nur verständlich, wenn er seinen Inhalt auch verstehen kann. Einmal ist der Untertitel lediglich eine knappe Zusammenfassung dessen, was sein Verfasser für wesentlich hält, so dass sprachliche Besonderheiten durch ihn nicht vermittelt werden können. Ein Notbehelf also. Wesentlich einschneidender ist jedoch, dass jeder Untertitel gleichzeitig ein Eingriff in die Bildästhetik des Films ist, da der Untertitel im unteren Bildbereich abläuft. Nicht nur dieser Eingriff ist fragwürdig, er zieht auch einen dritten Nachteil nach sich. Will man den Untertitel verstehen, muss man ihn lesen. Das Lesen lenkt vom Betrachten des Bildes und beeinträchtigt den Eindruck des Films.

Daher begann man z.B. in den USA schon 1928, Tonfilme u.a. in deutscher Sprache zu synchronisieren. US-Produktionsfirmen holten ausländische Schauspieler in die USA, die den Dialog des Films für ihre Rolle in ihrer Muttersprache ins Mikrofon sprachen. Auf diese Weise entstand eine fremdsprachige Fassung des Originals. Im Laufe der Zeit machte man von diesem Verfahren immer mehr Gebrauch.

In Deutschland hatte sich Carl Robert Blum schon seit einiger Zeit mit den Möglichkeiten beschäftigt, Ton an den Film anzulegen. So waren seine Bemühungen in der frühen Tonfilm-Zeit so weit gediehen, dass er Ende der 1920er-Jahre sein System der Tonfilm-Synchronisation zum Patent anmelden konnte. Er nannte es Rhythmographie. Die Rhythmographie setzte sich schließlich in Deutschland durch und wurde auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg praktiziert.

D.R.Die Deutsche Universal ließ bereits im Herbst 1930 die im selben Jahr produzierten Spielfilme Der Kapitän der Garde (Captain of the Guard) und Im Westen nicht neues (All Quiet on the Western Front) in Berlin bei der Firma Rhythmographie GmbH nach Blums Verfahren deutsch synchronisieren. Das deutsche Dialogbuch von Im Westen nicht neues stammte von einem Pionier, Dr. Konrad Paul Rohnstein, der über Jahrzehnte eine zentrale Figur in der deutschen Synchronisation blieb. Seine Firma Lüdtke und Dr. Rohnstein wurde zu einem der wichtigsten deutschen Synchronstudios in der Zeit bis 1945.